Als Lehrbeauftragte an der FH Stralsund zur Prüfungszeit im Ehrenamt

examPrüfungen sind stressig, nervenaufreibend und zeitintensiv. Das wissen alle, die schon mal daran beteiligt waren, egal auf welcher Seite. Auf eine Prüfung gut vorbereitet zu sein, ist nicht nur für Prüflinge entscheidend, sondern auch für DozentInnen. Habe ich ausreichend gelernt? Kann ich es in der Momentaufnahme so wiedergeben, dass es meine Leistungen widerspiegelt. Prüft meine Prüfung das ab, was ich meinen Studierenden versucht habe, beizubringen? Sind die Aufgaben klar, meine Bewertungsmaßstäbe transparent und fair, die Ergebnisse zuverlässig? Wie bei allem gibt es ein Davor, ein Dabei und ein Danach oder anders ausgedrückt: die Konzeption, die Durchführung und die Korrektur der Prüfung. Das kostet Zeit. Zu Recht. Mitunter türmen sich die Klausurstapel auf den Schreibtischen. Abhängig von der Studierendenzahl können sich mündliche Prüfungen über mehrere Tage hinziehen. Prüfungen kosten auch Geld. Auch zu Recht. Für ProfessorInnen gehören Prüfungen zur Stellenbeschreibung. Für Lehrbeauftragte nicht unbedingt. Sie können an Prüfungen mitwirken. Das entscheidet jede Hochschule. An der Fachhochschule Stralsund soll man es, aber ohne Bezahlung. Welch ein Skandal!

Jede Hochschule kann entscheiden, ob sie Lehrbeauftragte in die Prüfungen miteinbezieht oder nicht. Die Richtlinie für die Vergabe von Lehraufträgen für M-V legt fest, dass sie zu Prüfungen herangezogen werden können. Am Sprachenzentrum der Fachhochschule Stralsund werden Lehrbeauftragte bei mündlichen und schriftlichen Prüfungen eingesetzt, als PrüferInnen, wenn sie für die Lehrveranstaltung selbst verantwortlich sind und auch als BeisitzerInnen, wenn sie andere KollegInnen bei der Abnahme der mündlichen Prüfung unterstützen. Die allgemeine Prüfungsordnung legt fest, dass die mündlichen Prüfungen von zwei PrüferInnen abgenommen werden. Bisher wurden Lehrbeauftragte dafür bezahlt. Ab sofort soll die Prüfungszeit mit dem Lehrauftrag abgegolten sein. Moment mal! Das Honorar pro Lehrveranstaltungsstunde beträgt 23 Euro. Davon müssen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zu den Sozialversicherungen bezahlt werden. Davon will das Finanzamt seinen Teil bekommen. Dafür soll ich Stapel von Klausuren korrigieren und mich Tage lang mit mündlichen Prüfungen herumschlagen? Wie bitte? Ich bin doch hier nicht im Ehrenamt!

Bisher konnten Lehrbeauftragte mündliche Prüfungen pro geleistete Arbeitsstunde abrechnen. Auch die Korrektur von Klausuren konnte abgerechnet werden und zwar pro Klausur 15 Minuten. Alles musste im Rahmen des Umfangs des Lehrauftrages bleiben und durfte 19 Wochen nicht überschreiten. Nun kann man seinen Unterricht abrechnen und zwar für die Zeit des Semesters (15 Wochen) und man kann zur Klausur anreisen und bekommt die Zeit der Klausur und die Anreise bezahlt. Wie komfortabel! Prüfungen gehören laut Aussagen der Hochschule nicht zu Lehrveranstaltungen. Aha! Wenn es nicht dazugehört, muss es also auch nicht bezahlt werden. Klarer Fall! Wenn Prüfungen nicht dazugehören, müssen sie doch eigentlich auch gar nicht stattfinden.

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