Die prekäre Arbeitssituation der Lehrbeauftragten an Sprachenzentren: Ein aktuelles Beispiel

image002 Von Ayham A.Salam, LB an der TU Berlin bis zum SoSe 2013

 Wie prekär die Lage der Lehrbeauftragten in Deutschland ist, verdeutlicht am klarsten die folgende Situationsbeschreibung. Wenn ich diese in einem Boulevard – Blatt gelesen hätte, hätte ich Zweifel gehabt, ob die Geschichte so stimmen kann. Aber das ist meine Geschichte an der TU Berlin.

Ich bin seit 38 Jahren – ohne Unterbrechung.- Lehrbeauftragter am Sprachenzentrum der TU Berlin, der ZEMS. Den Erfolg meiner Lehrveranstaltungen bezeugten die Studierenden in jedem Semester, ohne Ausnahme.

Im Februar 2012 wurde ich von den Lehrbeauftragten der ZEMS zu deren Gruppenvertreter gewählt. Somit war ich auch Mitglied des Beirats der ZEMS geworden. In diesem Gremium sitzen VertreterInnen der verschiedenen Statusgruppen der ZEMS sowie anderer Einrichtungen der Universität.

2009 wurde die Zems umstrukturiert und erstmalig von einem/r Geschäftsführer/in geleitet.

Die Geschäftsführerin bot mit ihren Handlungen und nicht transparenten Entscheidungen Anlass zur Kritik sowohl von Seiten der Lehrbeauftragten als auch der Festangestellten. Ich habe diese Kritik in meinen Mails an die Lehrbeauftragten im Rahmen der Kommunikation mit ihnen stets thematisiert und teilte der Geschäftsführerin die Beanstandungen mit, per Mail und im Gespräch. Sie empfand diese Kritik als einen persönlichen Angriff.

In einer Beiratssitzung im Februar 2013 habe ich, sowie andere Beiratsmitglieder, ein Nichtbeiratsmitglied darum gebeten, beim TOP – „Personalangelegenheiten, nicht öffentlich“ – den Saal zu verlassen. Er tat dies nach anfänglicher Ablehnung und mit der Drohung, das werde Folgen haben.

Dieser Mitarbeiter hatte seine Arbeit in der ZEMS im Oktober 2012 aufgenommen. Er wurde vorgestellt als Mitarbeiter, zuständig für externe Kontakte. Er trat aber auf als wäre er ein Mitgeschäftsführer. Das war jedoch eine Behauptung seinerseits und der Geschäftsführerin – zumindest wurde diese Rolle von der Uni – Verwaltung nie schriftlich bestätigt.

Kurz nach der Ankündigung, das werde Folgen haben, wurde ich von der Liste der Lehrbeauftragten entfernt. Fachliche Gründe hierfür wurden nie genannt, so dass die Schlussfolgerung nahe liegt, es waren lediglich die durch Rache motivierten ‚Folgen’ meines Auftretens für die Belange der Lehrbeauftragten.

Der Personalrat der Universität ist nicht zuständig und zeigt sich nicht interessiert. Tatsächlich kann er uns de jure nicht vertreten, sondern laut Landesvertretungsgesetz ausschließlich die festangestellten Mitglieder der TU!

Der Präsident der Universität meidet bislang das Intervenieren, obwohl er vollständig informiert ist.

Der kalkulierte ‚Rauswurf’ hat natürlich Früchte getragen: niemand traut sich mehr, die Geschäftsführerin zu kritisieren, niemand will die Gruppenvertretung der Lehrbeauftragten übernehmen.

Seit April 2011 sind wir „Mitglieder der Universität“ – angesichts dieser Erfahrung frage ich mich: Was bringt uns diese „Mitgliedschaft“ (?), wenn die Vertreter der LB in inneruniversitären Gremien nicht ähnlich geschützt sind wie die Vertreter der Festangestellten? Mir erscheint diese „Mitgliedschaft“ dann als eine scheindemokratische Farce.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Die prekäre Arbeitssituation der Lehrbeauftragten an Sprachenzentren: Ein aktuelles Beispiel

  1. ugo fazio

    Ich möchte hiermit meine bedingungslose Solidarität dem Kollegen ausdrücken.
    Über den geheimnisvollen Mitarbeiter dann, der seit Oktober 2012 im zems tätig ist und als „Mitgeschäftsführer antretet“, möchte ich noch gerne wissen: was hat es an sich genau, eine „Zuständigkeit für externe Kontakte“ an einem Sprachenzentrum? Und dann frage ich mich wie und ob die Kolleginnen und Kollegen des zems darauf reagiert haben.

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