Dienstvereinbarung über die Vertragsbedingungen und die Vergütung der Lehrbeauftragten an der Ruhr-Universität-Bochum

Ruhr-Uni Bochum Wikipedia

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Gute Nachrichten aus Nordrhein-Westfalen: Am 1.1.2014 trat an der Ruhr-Universität-Bochum eine der ersten Dienstvereinbarungen zwischen dem wissenschaftlichen Personalrat und dem Rektor einer Hochschule in Kraft, die die Lehrbeauftragten betrifft.

DV-Lehrauftraege-20140129.

Die dreiseitige „Richtlinie für die Erteilung und Vergütung von Lehraufträgen“ enthält Bestimmungen, die wir aus vielen Richtlinien in allen Bundesländern kennen: z.B. dass der Lehrauftrag kein Dienstverhältnis begründet (Paragraph 2.1) oder dass die Lehrbeauftragten selbständig tätig sind (Paragraph 2.3) und nicht mehr als 10 SWS an dieser Hochschule unterrichten dürfen (Paragraph 3.2).

Neu ist aber, dass es sich dabei nicht um eine einseitige Bestimmung der Hochschule handelt, sondern um ein Abkommen mit der Personalvertretung. Zudem ist die Untergrenze des Honorars deutlich höher als an vielen anderen Hochschulen (Paragraph 4.3): Wir hoffen, dass sie bundesweit nachgeahmt wird.

Zur Vorgeschichte: Wie auf diesem Blog schon berichtet worden ist, sieht das Personalvertretungsgesetz in Nordrhein-Westfalen seit dem Sommer 2011 vor, dass Lehrbeauftragte, die 4 SWS oder mehr unterrichten, vom Personalrat ihrer Hochschule vertreten werden: Die Lehrbeauftragten können die Personalvertretung wählen und der Personalrat nimmt ihre Interesse wahr.

Sicher sind damit die Lehrbeauftragten dem angestellten Personal längst nicht gleich gestellt. Denn wenn z.B. an einen Kollegen oder eine Kollegin kein Lehrauftrag für das folgende Semester mehr vergeben wird, kann der Personalrat nichts tun, da der Kündigungsschutz für Lehrbeauftragte nicht gilt.

In dieser Dienstvereinbarung sind aber mehrere Bestimmungen, die konkrete Verbesserungen bedeuten. In erster Linie die Honoraruntergrenze: mit 35 bzw. 40 € stellt sie eine immense Verbesserung dar, die über einige Jahre Verhandlungen erreicht worden ist. Sie ist deutlich höher, z.T. doppelt so hoch, als das, was die meisten von uns erhalten.

Für Außenstehende ist daran zu erinnern, dass diese Beträge all inclusive sind: Alle begleitenden sowie Folgetätigkeiten der Lehre, d.h. Vor- und Nachbereitung,Korrektur, Betreuung von Studierenden, etc., sind damit abgegolten. Zudem zahlen Lehrbeauftragte die Sozialversicherungsbeiträge zu 100% selbst, da die Hochschulen den Arbeitgeberanteil nicht tragen müssen.

Die Bochumer Dienstvereinbarung sieht vor, dass Prüfungen vergütet werden. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass alle Lehraufträge in der Regel vergütet werden. Sollte ein Lehrauftrag nicht vergütet werden, so kann die/der Lehrbeauftragte auf Antrag eine Spendenquittung im Umfang des üblichen Honorars erhalten.

Wichtig ist auch Paragraph 4.6, nach dem Lehrbeauftragte Anspruch auf ein Ausfallhonorar i.H.v. 20% haben, wenn die Veranstaltung nach Erteilung des Auftrags ausfällt. Gleichzeitig verbietet Paragraph 3.4, Lehraufträge mit Rückwirkung zu erteilen, sonst wäre es leicht für die Hochschule, die Lehraufträge erst zu erteilen, wenn sicher ist, dass die Veranstaltungen stattfinden, z.B. wenn es genug Anmeldungen gibt.

Weiterhin legt Paragraph 4.6 fest, dass ausgefallene Einzelstunden vergütet werden, wenn der Ausfall nicht von den Lehrbeauftragten zu verantworten ist.

In den Schlussbestimmungen wird zum einen festgehalten, dass die Dienstvereinbarung auch für die Lehrbeauftragten gilt, die vom Wissenschaftlichen Personalrat nicht vertreten werden, z.B. weil sie weniger als 4 SWS unterrichten. Zum anderen wird diese Richtlinie in einem gemeinsamen Gespräch zwischen dem Personalrat und dem Rektor der Ruhr-Universität-Bochum jährlich bewertet und ggf. geändert. Das lässt hoffen, dass diese gute Vereinbarung im Interesse der Lehrbeauftragten weiter verbessert werden kann.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Erfolge, Honorar, Personalrat

2 Antworten zu “Dienstvereinbarung über die Vertragsbedingungen und die Vergütung der Lehrbeauftragten an der Ruhr-Universität-Bochum

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