Podiumsdiskussion: Lehraufträge – ein institutioneller Missbrauch an den Hochschulen

Rostock_AltstadtAuftakt zum bundesweiten Aktionstag der Lehrbeauftragten
Die GEW MV lädt am 22.10. zur Podiumsdiskussion in die Universität Rostock

Die Podiumsdiskussion „Lehraufträge – ein institutioneller Missbrauch an den Hochschulen“ bildet den Auftakt zu einem Aktionstag der Lehrbeauftragten, der am 6.11.2014 bundesweit stattfinden wird. Auf dem Podium werden Personen der Hochschulen in MV, Vertreter*innen der Sprach- und Musiklehrbeauftragten, Personalräte sowie Politiker der Landesregierung und der Opposition diskutieren. Ziel der Veranstaltung ist es, die Hochschulöffentlichkeit und die allgemeine Öffentlichkeit über die Situation der Lehrbeauftragten an den Hochschulen in MV zu informieren und auszuloten, inwiefern die Hochschulen und die Politiker zur Verbesserung der Situation beitragen wollen und können.
Lehraufträge waren ursprünglich für Berufstätige vorgesehen, mit deren Expertise ein stärkerer Bezug zur Praxis in die Lehre eingebracht werden sollte. Teilweise erfüllen Lehraufträge noch immer diesen Zweck, z.B. wenn ein Rechtsanwalt ein Seminar mit Themen aus seiner Anwaltstätigkeit anbietet. Aus diesem ursprünglichen Regelfall des Lehrbeauftragten ist aber inzwischen ein Sonderfall geworden. Denn der Einsatz von Lehraufträgen hat sich in den letzten Jahren bekanntermaßen gravierend verändert. Viele der durch Lehraufträge abgedeckten Veranstaltungen sind zentrale Studienbestandteile und somit nicht als ergänzende Lehrangebote zu sehen, wie es das Landeshochschulgesetz (§ 76 Abs.1 LHG MV) jedoch vorsieht. Lehraufträge werden inzwischen für dauerhaft anfallende Aufgaben in der Lehre (Sprachkurse, grundständige Veranstaltungen an den Musikhochschulen o.ä.) vergeben. Fragt man nach den Gründen für den missbräuchlichen Einsatz von Lehraufträgen, kommt man um den Fakt der unzureichenden Grundfinanzierung der Hochschulen nicht herum. Im Mittelbau sind für die Abdeckung des Lehrbedarfs nicht ausreichend Stellen vorhanden. Mit der Vergabe von Lehraufträgen für grundständige Lehre wird Semester für Semester sehr viel Geld gespart. Lehrbeauftragte sind Honorarkräfte ohne Beschäftigungsverhältnis zur Hochschule. Sie erbringen in der Lehre aber exakt die gleiche Arbeit wie ihre festangestellten Kolleg*innen ein Büro weiter. Ihre Vergütung beträgt jedoch nur einen kümmerlichen Bruchteil dessen, was man als tariflich Beschäftigter verdient.
Was die Situation für die Lehrbeauftragten besonders prekär macht, ist, dass ein signifikanter Anteil nicht aus sozialversicherten regulären Arbeitsverhältnissen kommt und auf die Vergütung für die Lehraufträge angewiesen ist. Insbesondere an den Sprachenzentren und an den Musikhochschulen leben die Lehrbeauftragten von regelmäßigen Lehraufträgen verschiedener Hochschulen. Unter diesen Umständen müssen die Rahmenbedingungen für Lehrbeauftragte angepasst werden, um einerseits gute Arbeitsbedingungen – Verlässlichkeit und ausreichende Vergütung – zu bieten und andererseits die Qualität der Lehre zu sichern.
Es gibt innerhalb der Hochschulen Anzeichen, diese Situation ändern zu wollen. So kann man in den „Positionen zu prekären Beschäftigungsverhältnissen an den Hochschulen“ des HPR (K) nachlesen, dass die Kanzler in Zusammenarbeit mit den Personalräten bereits im Januar 2013 den Vorschlag unterbreitet haben, die Lehrbeauftragten in Anlehnung an   E 13 zu vergüten. Inwiefern der politische Wille besteht, dieser Forderung nachzukommen, wird u.a. auf der Podiumsdiskussion zu erfahren sein. Ob man durchs dicke Brett bohren will oder abwiegelt und der massenhafte Missbrauch von Lehraufträgen weiterhin als Randproblem von Einzelnen abgetan wird, wird sich zeigen. Mit den freiwerdenden BAföG-Millionen und den versprochenen Milliarden vom Bund für die Bildung jedenfalls könnten an den Hochschulen eine leistungsgerechte Vergütung der Lehrbeauftragten erfolgen bzw. Daueraufgaben durch die Schaffung von Dauerstellen abgedeckt werden.

Veranstaltung: Podiumsdiskussion „Lehraufträge – ein institutioneller Missbrauch an den Hochschulen“
Datum: 22.10.2014
Uhrzeit: 18.00-20.00
Ort: Universität Rostock, Campus Ulmenstraße, Ulmenstraße 69, Haus 2, Hörsaal Sportwissenschaft

Auf dem Podium nehmen Platz:
– Dr. Susanne Winnacker, Rektorin der hmt Rostock
– Dr. Wolfgang Flieger, Kanzler der EMAU Greifswald
– Dr. Martin Nitschke, Vorstandsmitglied des HPR (K) beim Bildungsministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
– Prof. Karola Theill, Lehrbeauftragten-Vertreterin der hmt Rostock, Sprecherin der bklm
– Georg Müller, Sprecher der BKSL, AG Lehrbeauftragte der GEW
– Susann Wippermann, MdL, bildungspolitische Sprecherin der SPD
– Johannes Saalfeld, MdL, Bündnis 90/Die Grünen

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