Verbesserte Konditionen für die Lehrbeauftragten an der WWU Münster

548398414_0db872f425Beitrag von  Manuela Papke, Mitglied des PRwiss der WWU

In Nordrhein-Westfalen dürfen die Personalräte die Lehrbeauftragten vertreten und für sie Dienstvereinbarungen abschließen; über die Dienstvereinbarung in Bochum haben wir schon berichtet. Hier folgt ein Bericht aus der Uni-Münster.

Seit Wintersemester 14/15 gilt eine neue Richtlinie für die Erteilung und Vergütung von Lehraufträgen an der WWU Münster. Die Vorbereitungen und Verhandlungen der neuen Richtlinie zogen sich über fast 2 Jahre hin. Alle Akteure (Personalrat, Personalabteilung, Lehrbeauftragte und Fachbereiche) wurden an dem Prozess beteiligt.2013 befragte der Personalrat die Lehrbeauftragten der WWU umfassend zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen und zum Änderungsbedarf aus ihrer Sicht. An der Befragung haben 22,3% aller Lehrbeauftragten in WS 12/13 (149 von 668 Personen) teilgenommen. Die Befragung zeigte, dass die Gruppe der Lehrbeauftragten, hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Lage, der Bedeutung von Lehraufträgen für ihr Berufsleben, ihrer Motivation und der Bedingungen dieser Tätigkeit sehr heterogen ist. Für etwa 15% der befragten Personen stellen Lehraufträge die Haupterwerbsquelle dar. 37% der Lehrbeauftragten sahen sich selbst in einer prekären Lebens- und Einkommenssituation. Etwa 3⁄4 der Lehrbeauftragten (73%) hatten im fraglichen Zeitraum nur einen Lehrauftrag inne, etwa 1⁄4 mehrere. Etwa 20% lehrten gleichzeitig an mehreren Universitäten. In der Befragung haben die Lehrbeauftragten den zeitlichen Aufwand für den Unterricht, die Vor- und Nachbereitung, Prüfungs- und Korrekturleistungen sowie die Betreuung von Studierenden eingeschätzt. Pro Unterrichtsstunde lag der Wert der nicht-vergüteten Mehrarbeit im Mittel bei 4 Stunden, so dass eine Unterrichtsstunde etwa 5 Unterrichtsstunden Gesamtaufwand entspricht. Vor diesem Hintergrund bewerteten die Lehrbeauftragten mehrheitlich (81,4%) die bisherige Vergütung als „völlig unangemessen“, „unangemessen“ oder „eher unangemessen“. Aber nicht nur die finanzielle Wertschätzung ließ nach Meinung der Befragten zu wünschen übrig, auch die immaterielle Wertschätzung, die fehlende Planungssicherheit, die mangelhafte Integration und Informationslage wurden von Lehrbeauftragten problematisiert.
Aus den weiteren Befragungsergebnissen und zahlreichen Kommentaren leitete der wissenschaftliche Personalrat der WWU seine Verhandlungsziele für die neue Richtlinie ab:
– Eine der Qualifikation und dem Aufwand bessere angemessene Vergütung
– Höhere Transparenz bei der Vergabe von Lehraufträgen
– Mehr Sicherheit und Verringerung von Risiken
– Stärkung der Verhandlungsposition der Lehrbeauftragten
– Bessere Integration von Lehrbeauftragten in die Zentren und Fachbereiche

Die wichtigsten Ergebnisse der Verhandlungen sind:
Die Vergütung wird ab dem SS 2015 um durchschnittlich 40% erhöht. Lehrbeauftragte erhalten mindestens 35€ pro Unterrichtsstunde (vorher 25€). Sprachlehrbeauftragte erhalten mindestens 30€ für allgemeine bzw. 45€ für Fachsprachkurse (vorher 25€). Auf diese Mindestbeträge können die Fachbereiche und Zentren nochmal bis zu 100% aufschlagen und damit die Marktlage, positive Evaluation, Erfahrung und besondere Belastung berücksichtigen. Zusätzlich zu vergüten ist nun auch die Mehrarbeit, etwa für Prüfungen und Korrekturleistungen, die außerhalb des Unterrichts geleistet werden. In diesem flexiblen Vergütungsmodell haben die Lehrbeauftragten jetzt die Möglichkeit, ihr Honorar zu verhandeln.
Neben den finanziellen Konditionen gibt es auch noch weitere Verbesserungen:
– Vergütete Lehraufträge sind nun der Regelfall.
– Die Leistungen, die im Rahmen eines Lehrauftrags zu erbringen sind, sind definiert.
– Die Betriebshaftpflicht der Universität gilt auch für Lehrbeauftragte.
– Fahrtkosten werden erstattet, wenn die Lehrbeauftragten von außerhalb anreisen müssen.
– Fristen regeln die Erteilung und Abrechnung von Lehraufträgen.
– Lehraufträge können auch für ein ganzes Studienjahr erteilt werden.
– Ein anteiliges Ausfallhonorar für von der WWU verschuldete Unterrichtsausfälle wird gezahlt.
– Die umfassende organisatorische Begleitung der Lehrbeauftragten und der Lehrveranstaltung wird von Fachbereichen und Zentren gewährleistet.
– Lehrbeauftragte können am hochschulinternen Weiterbildungsprogramm teilnehmen.

Der wissenschaftliche Personalrat vertritt alle Lehrbeauftragten, die 4 oder mehr SWS Lehre erteilen nach den Vorgaben des LPVG NRW.

Leider konnten nicht alle Ziele umgesetzt werden. Nach wie vor gibt es an der WWU die Möglichkeit, unvergütete Lehraufträge zu erteilen. Diese machten in der Befragung 2013 immerhin 21% aller Lehraufträge in der Stichprobe aus. Perspektiven für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für Lehrbeauftragte, die langjährig oder in größerem Umfang für die Hochschule tätig sind, hatten in der Richtlinie ebenfalls keinen Platz. Die von einigen Lehrbeauftragten vermisste Wertschätzung ihrer Tätigkeit durch deren Auftraggeber in Fachbereichen und Zentren lässt sich nicht verordnen, sie kann nur im Rahmen eines wertschätzenden und positiven Betriebsklimas für alle Mitarbeitenden umgesetzt werden.
2016 wird die Umsetzung der neuen Richtlinie evaluiert und gegebenenfalls nachgebessert oder neu verhandelt.

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Eingeordnet unter Erfolge, Honorar, Personalrat

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