Ein Treffen der Lehrbeauftragten der Leuphana-Universität in Lüneburg

leuphanaEin Beitrag von Linda Guzzetti

Klar ist, dass der Aktionstag der Lehrbeauftragten bewirkt hat, dass viel mehr Leute an den Hochschulen als davor darüber sprechen und in der gegenwärtigen Anwendung der Lehraufträge einen Missbrauch sehen. Dazu habe ich in der ersten Woche dieses Jahres zwei interessante Erfahrungen gehabt.

Am Freitag, dem 23.1., war ich in Lüneburg für ein Treffen der Lehrbeauftragten der dortigen Leuphana-Universität. Angestoßen wurde dieses Treffen von zwei Lehrbeauftragten, die beim Leuphana-Semester Philosophie und Kommunikation unterrichten. Das Leuphana-Semester ist ein erstes für alle Studierenden gleiches Semester, das zum überwiegenden Teil von Lehrbeauftragten gestemmt wird; die Inhalte des Unterrichtes sind ähnlich wie die in einem studium generale.

Zudem unterrichten an der Leuphana Lehrbeauftragte in den normalen Kursen, u.a. im Sprachbereich, aber nicht nur dort: Insgesamt sind sie über 600 Personen. Die Vergütungen liegen so niedrig wie üblich und die Lehrbeauftragten sind ziemlich isoliert und kennen sich wenig untereinander, da die Mehrheit pendelt und viele  zu Randzeiten  (Freitag und Samstag) unterrichten.

Das Treffen wurde vom AStA der Leuphana-Uni und von der niedersächsischen GEW unterstützt. Anwesend waren zwanzig interessierte Leute. Obwohl sie nicht alle Lehrbeauftragte waren, waren die Organisator*innen glücklich mit der Resonanz. Meine Rolle dabei war zu erzählen, was bei den Lehrbeauftragten in den letzten Monaten passiert ist. In Lüneburg haben sie zu spät vom Aktionstag am 6.11. erfahren und konnten nichts organisieren, aber inzwischen haben sie ganz gut nachgeholt.

Sie wollen eine Organisationsgruppe bilden, die regelmäßig Treffen hält, lokale Forderungen ausdrückt und über die Vertreter*innen des Mittelbaus und der Studierenden Einfluss auf die Gremien der Hochschule ausüben wird.

Es wurde auch über die Novellierung des Hochschulgesetzes gesprochen. So weit sind auf diesen Weg die Chancen auf Verbesserungen für die Lehrbeauftragten nicht gut: Die GEW-Niedersachsen hat erfolglos versucht, Änderungen in diesem Sinn einzuführen; die grüne Bildungsministerin behauptet aber, dass die Lage der Lehrbeauftragten über die Zielvereinbarungen zwischen den Hochschulen und dem Land verbessert werden kann und nicht über gesetzliche Bestimmungen.

Die GEW-Niedersachsen organisiert – mit ver.di zusammen – am 25.4. ein Koordinationstreffen der Lehrbeauftragten aller Hochschulen im DGB-Haus in Hannover. Ein Schwäche der Lehrbeauftragten ist leider immer noch der niedrige Organisationsgrad in den Gewerkschaften. Aber die Initiative am 25.4. ist sicher ein Zeichen dafür, dass „Betroffene“ und „Gewerkschaften“ gar nicht weit entfernt voneinander sind.

Von den organisierten Studierenden kamen Unterstützung und gute Ideen. Sie haben einen gewissen Einfluss auf die Uni-Leitung, da diese viel Wert auf ein positives Image setzt.

Die Idee einer Aktionswoche im November dieses Jahres stoß auf breites Interesse: In den nächsten Monaten wird auf ein Ziel hingearbeitet. Diese Woche ermöglicht, sowohl lokale Forderungen voranzutreiben als auch von der Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit zu profitieren.

Bei diesem Treffen habe ich viel dazu gelernt und halbwegs ernst vorgeschlagen, dass sich die Ethikkommission der Uni auch über die moralische Vertretbarkeit des Prekariats Fragen stellen sollte, das die Uni im großen Ausmaß produziert.

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