Ausstellung „Auftrag: Lehre“ über die Geschichte des Lehrauftrags an Hochschulen

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Am Fr. 29.5.15 um 17 Uhr wurde die Ausstellung „Auftrag: Lehre“ bei der GEW Berlin eröffnet, die Andreas Eschen mit Materialien aus den Archiv der Berliner Hochschule für Musik (die heute Teil der Universität der Künste ist) erstellt hat.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der nicht-angestellten Dozent*innen von den so genannten „Hülfslehrern“ zu den heutigen Lehrbeauftragten.

Diese Ausstellung zeigt auf überzeugende Weise, dass es von Anfang an unter den Lehrbeauftragten sowohl an Orchestern angestellte Musiker als auch Lehrende gab, die davon lebten. Zudem zeigt die Ausstellung, dass die Entwicklung der Arbeitsbedingungen alles andere als geradlinig ist.

Die Ausstellung ist auf unbegrenzter Zeit bei der GEW (Ahornstraße 5, Schöneberg) im Raum 33 zu sehen, selbstverständlich wenn der Raum frei ist.

Wer die Ausstellung besichtigen will, soll im Sekretariat der GEW Berlin fragen, wann das möglich ist (täglich ab 10:00 Uhr unter 219993-0)

Die Geschichte des Lehrauftrages scheint noch niemals erforscht worden zu sein. Alle Darstellungen der letzten Zeit haben es bei der Vermutung belassen, früher seien zur Ergänzung der Hochschullehre Berufstätige aus der Praxis beauftragt worden.
Die Ausstellung „Auftrag: Lehre“ stellt vermutlich die erste Überprüfung dieses Narrativs dar. Anhand von Dokumenten aus dem Archiv der UdK Berlin und der Haushaltspläne des Landes Berlin zeichnet sie 140 Jahre Lehrauftrag an der Berliner Hochschule für Musik nach.
Angefangen von den „Hülfslehrern“ des Kaiserreichs über teilweise prominente akademische Lehrer*innen in der Weimarer Republik bis zu den Lehrbeauftragten der Bundesrepublik gab es mindestens an der Musikhochschule immer beides: erfahrene Musiker*innen aus der Praxis (meist aus staatlichen Orchestern) und Lehrende, die auf die Einnahmen aus dem Lehrauftrag wirtschaftlich angewiesen waren und die nicht selten auf eine feste Stelle an der Hochschule warteten.
Die Lage der Lehrbeauftragten verschlechterte sich im Laufe der Zeit: in der Weimarer Republik wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage, in der Bundesrepublik auf Grund von politischen Entscheidungen, insbesondere durch zwei KMK-Beschlüsse von 1968.
Die Ausstellung vollzieht die historische Entwicklung einerseits in Gesamtdarstellungen nach, vor allem aber illustriert sie die Verhältnisse an vielen Einzelbeispielen. Da ist die Komponistin, die als Frau für eine Stelle kaum in Frage kam, oder ein Lehrbeauftragter, dessen Vergütung in der Wirtschaftskrise immer wieder neu festgesetzt wurde. Da sind die kleinen Privilegien, die den Lehrbeauftragten den Alltag in der Nachkriegszeit nach 1945 erleichterten, die vertriebenen Musiker*innen, die – meist vergeblich – Wiedergutmachung beantragten, und Philharmoniker, die für sich eine höhere Vergütung erstritten. So wird an vielen Einzelbeispielen deutlich, wie es zur Entstehung dieses akademischen Prekariats kam und wie lohnend es sein könnte, diese Geschichte weiter zu erforschen.
(Text: Andreas Eschen)

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