Scheinselbstständigkeit am Goethe-Institut

goethe-Inst_150701„Das Goethe-Institut setzt über Nacht einen Großteil seiner freien Mitarbeiter*innen auf die Straße – Kursprogramm radikal zurückgefahren“. Leider keine fake news war die E-Mail, die viele Lehrende an den Goethe-Instituten in Deutschland am Dienstagabend 24.1. erhielten, wie es in der Pressemitteilung der „Freie am Goethe“ heißt.

“ …. die Prüfung hat vorläufig ergeben (Endbescheid gibt es noch nicht), dass das Goethe-Institut zahlen muss. Wir wissen nicht genau, ob individuell oder pauschal geprüft wurde. Das Goethe-Institut müsste 100% plus Zinsen nachzahlen, aber da könnte Verhandlungsspielraum sein. Am Institut herrscht Chaos, vorläufig werden viele Rentner*innen eingesetzt. “

Der Vorstand teilte den „Freien“ mit, dass das Goethe-Institut vorerst keine Honorarverträge mehr anbieten könne. Daher entfallen ab sofort viele Kurse, denn ca. 60-70% der Kurse werden am Goethe- Institut Berlin von Honorarlehrkräften gegeben, die festangestellten Lehrkräfte können nicht einfach ihre Arbeitszeit verdoppeln und deren Aufgaben übernehmen. Am überaus profitablen Goethe-Institut Berlin wurde daher das Nachmittagskursprogramm teilweise storniert, in Düsseldorf ganz und das Abendprogramm dazu. Auch die stark nachgefragten und hochangesehenen Deutsch-Prüfungen des Goethe-Instituts sind gefährdet, da auch hier zum großen Teil Honorarkräfte arbeiten, die alle ein spezielles Prüferzertifikat besitzen müssen.

Hintergrund der Maßnahmen ist, dass die Deutsche Rentenversicherung den selbstständigen Charakter der Unterrichtstätigkeit im Goethe-Institut anzweifelt. Dem Vorstand ist der Ernst der Lage schon lange bewusst. Offensichtlich ist ihm aber keine andere Lösung eingefallen, als alle freien Mitarbeiter*innen über Nacht nach Hause zu schicken. Die Sprachkurse des Goethe Instituts Deutschland müssen sich finanziell selber tragen und werden nicht aus Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt. Sie stellen jedoch eine Referenz für die Sprachvermittlung in den Goethe-Instituten auf der ganzen Welt dar.

Sowohl feste als auch freie Mitarbeiter*innen fragen sich, welche Ziele der Vorstand verfolgt, da 50% weniger Kurse 50% weniger Einnahmen bedeuten. Sie befürchten, dass nicht nur die Existenz der Honorarlehrkräfte, sondern auch die des Goethe-Instituts Deutschland auf dem Spiel steht.

Nach internen Information der Gewerkschaft GEW an die Mitarbeiter*innen des Goethe-Instituts werden diese Sprachkurse zu etwa 80 Prozent durch sogenannte Honorarlehrkräfte abgedeckt. Diese sind nicht fest angestellt, sondern erhalten ihre Verträge jeweils für die Dauer eines Sprachkurses. Nach Ablauf der meist vier- bis achtwöchigen Sprachkurse bekommen die Lehrkräfte neue Verträge.

Die Sprecherin des Goethe-Instituts könnte den hohen Anteil der Honorarlehrkräfte zunächst nicht bestätigen. Allerdings sagte sie, dass wegen des Rechtsstreits derzeit keine neuen Verträge mit den bisherigen Honorarlehrkräften geschlossen werden dürften. Dies könne auch
dazu führen, dass Sprachkurse abgesagt werden müssten. „Wir bemühen uns, soweit wie möglich die Kurse aufrecht zu halten.“
Das Goethe-Institut teile die Auffassung der Rentenversicherung zu den Verträgen nicht, erklärte die Sprecherin. Es würden derzeit alle rechtlichen Aspekte geprüft. Zudem gebe es in enger Abstimmung mit der Deutschen Rentenversicherung Bemühungen um eine „zeitnahe und konstruktive Lösung“.

Laut dem AFP vorliegenden Schreiben der GEW an die Beschäftigten läuft die Prüfung der Honorarverträge allerdings schon seit dem Jahr 2014. Dabei seien offensichtlich in einer großen Zahl von Fällen Scheinselbstständigkeiten festgestellt worden.

In dem Verfahren gehe es nun auch darum, in welchem Umfang das Goethe-Institut Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen müsse. „Mit einem Schlag“ stehe nun das Geschäftsmodell der Institute in Frage. Die berufliche Existenz der Honorarlehrkräfte sei „unmittelbar bedroht“.

Weiteres dazu: https://www.gew.de/goethe-institut/

http://www.tagesspiegel.de/politik/praesidentin-gundula-rossbach-rentenversi
cherung-erstmals-in-frauenhand/19302330.html
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/goethe-institut-vor-massiven-
problemen-14771278.html

					
Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Sozialversicherung

Eine Antwort zu “Scheinselbstständigkeit am Goethe-Institut

  1. Pingback: „Freie“ am Goethe-Institut | Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s