Zahlen über die Lehrbeauftragten in Berlin

Die Abgeordnete Bettina König (SPD) hat im Abgeordnetenhaus (dem Landesparlament in Berlin) am 20.3.2017 eine Kleine Anfrage über die Lehraufträge an Berliner Hochschulen gestellt. Die Antworten des Berliner Senats sind schnell gekommen, am 25.4.2017, mit der Drucksache 18/10 771 und sind ausführlicher  als noch 2014.

Dies zeigt, dass die Situation der Lehrbeauftragten inzwischen als ein politisches Problem gilt, das nicht mehr kleingeredet werden darf und über das Daten gesammelt und veröffentlicht werden müssen.

Wie in vorigen Kleinen Anfragen betreffen die Fragen die Anzahl der Lehrbeauftragten, die Vergütung der Unterrichtseinheiten und der Prüfungen, den Anteil der Lehrbeauftragten an der Lehre, die Anzahl der Semester, seit denen sie an den Hochschulen unterrichten.

Die Antwort des Senats zeigt, dass sich die Situation der Lehrbeauftragten an Berliner Hochschulen seit Jahren grundsätzlich gleich geblieben ist und dass die Unterschiede zwischen den (Fach-)Hochschulen auf der einen Seite und den drei Universitäten auf der anderen groß sind. Dabei belegen die Kunst- und Musikschulen einen eigenen Platz.

Die Gesamtzahl der Lehrbeauftragten hat sich von 2014 bis 2016-17 erhöht: von 4779 auf 5101. Die steigende Tendenz ist insbesondere an der HU, der HWR, der HTW und die UdK ausgeprägt. An allen Hochschulen ist die Mehrheit der Lehrbeauftragten männlich.

An den FU und HU decken die Lehrbeauftragten 15-17% der Lehre und an der TU – wahrscheinlich, da die Daten lückenhaft sind – um 10%. An der (Fach-)Hochschulen liegt der Anteil zwischen 30 und 45%; an den Kunst- und Musikschulen zwischen 25 und 50%.

Auf der ersten Seit schreibt die Senatsverwaltung in Bezug auf die Ziele der Anwendung der Lehraufträge: „An der Hochschule für Wirtschaft und Recht, der „Alice-Salomon“-Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, der Universität der Künste sowie der Kunsthochschule Berlin (Weißensee) dienen sämtliche Lehraufträge der praktischen Ausbildung.“ Bedeutet „praktische Ausbildung“, dass die dortigen Lehrbeauftragten zu der Gruppe der Expert*innen mit einer guten hochschul-externen Anstellung gehören, für die die Paragraphen der Hochschulgesetze über die Lehraufträge (in Berlin § 120) gedacht sind?

Die Tabelle 3 („Dauer der Beauftragung“) in der Antwort des Senats belegt aber, dass ausgerechnet an diesen Hochschulen diejenigen Lehrbeauftragten, die seit 4 oder mehr Semestern unterrichten, zahlreich sind. Daher kann es sich mehrheitlich nicht an „externe Expert*innen“ handeln; dies wird von der Untersuchung an der Alice-Salomon-Hochschule belegt (Alice Magazin 2016).

Allerdings bezweifele ich die Konsistenz dieser Daten. Wie der Senat (im „Hinweis“) schreibt: „Die Erhebung bezieht sich auf die Lehraufträge. Sofern Personen mehrere Lehraufträge wahrnehmen, sind diese Personen entsprechend mehrfach enthalten.“ Im Grund betrachten die Hochschulen jeden Lehrauftragt wie einen abgeschlossenen administrativen Vorgang, ohne Rücksicht auf die Personen.

Die Darstellung der Vergütung der Unterrichtseinheiten zeigt zum einen, dass die unbezahlten Lehraufträge an den Universitäten weiterhin eine bedeutende Rolle spielen: 127 an der FU, 164 an der HU und 110 an der TU. Hier hat offensichtlich die Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes von 2011 wenig geändert: Der Verzicht auf die Vergütung ist erst nach der Vergabe des Lehrauftrags möglich, aber dieser Verzicht kommt offensichtlich weiterhin häufig vor. Die Zahlen sagen uns nicht, ob diese circa 400 Personen gut verdienende externe Expert*innen oder Promovierende sind, die sich dem Druck an ihrem Institut nicht wiederstehen können, an der Lehre beizutragen, auch wenn keine Finanzierung möglich ist.

Zum anderen geht aus der Tabelle eindeutig hervor, dass die Spreizte der Vergütungen groß ist. Eindeutig verdienen die Lehrbeauftragten besser, wenn sie an (Fach-)Hochschulen unterrichten. Das trifft auch für die Sprachlehrbeauftragten zu, obwohl der Unterricht ähnlich an (Fach-)Hochschulen und Universitäten ist. Die in den Eckpunkten der Hochschulvertraege vorgesehene Erhöhung der Honorare hat für die Lehrbeauftragten an den (Fach-)Hochschulen wenig Auswirkung, da nur die Untergrenze steigen wird.

Der Unterschied zwischen den (Fach-)Hochschulen und den Universitäten fällt auch bei der Vergütung der Prüfungen auf. Diese Zahlen sind den Richtlinien der einzelnen Hochschulen entnommen: Hier erscheinen sie alle zusammen, was ihre traurige Geringfügigkeit und Willkür verdeutlicht.

Zum Beispiel wird die Betreuung einer Bachelorarbeit an der HWR mit 245 € vergütet an der HU mit 50 €. Die Präsidien der excellenten Universitäten sollten erklären, ob die Abschlussarbeiten bei ihnen so viel leichter zu betreuen und zu korrigieren sind.

In den meisten Fällen werden aber die Korrekturen im Rahmen der Lehraufträge vergütet, d.h. dass sie dazu beitragen, die effektive Vergütung jeder Arbeitsstunde zu senken.

Wenn die Prüfungen außerhalb der Kurse sind, wird die Mitwirkung der Lehrbeauftragten meistens mit 17,50 € je Zeitstunde vergütet; es handelt sich dabei um die in der Richtlinie über die Vergütung der Lehraufträge des Berliner Senats in der Version von Juli 2016 festgelegte Untergrenze.

Für die Korrekturen der Klausuren und der Hausarbeiten sind ab 4,38 € pro Stück die unterschiedlichsten Sätze zu finden.

Eine weitere Frage betrifft die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen (WiMis) auf Haushaltsstellen und betrifft nur die drei Universitäten und die Charité. Die Tabelle zeigt, dass der Anteil der unbefristeten Haushaltsstellen an der FU 14,8%, an der HU 22,2% und an der TU 12,0% beträgt. Diese Zahlen sehen nicht so schlecht aus, nur wenn man nicht daran denkt, dass die Drittmittelstellen nicht berücksichtigt werden; und diese sind so gut wie alle befristet.

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