Über die preiswerten Integrationsdienstleister

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist am ein Artikel mit dem Titel „Preiswerte Integrationsdienstleister“ erschienen. Linda Guzzetti kommentiert:

Ein direkter Anlass für den Artikel ist nicht zu erkennen, und viel Neues ist nicht zu erfahren. Nach einer langen Einführung über den Wert der Sprache für die Integration sowie über den Unterschied zwischen DaF und DaZ kommt das Hauptargument: Das BAMF habe das Personal wahllos rekrutiert und die Abgrenzung zwischen Ehrenamtlichen, Teilzeitkräften und  hochqualifizierten Dozenten verwischt. Der Journalist schreibt, dass „die Konkurrenz unter den Kursanbietern in freier Trägerschaft […] in Verbindung mit dem ehrenamtlichen Engagement zu einer Entwertung des gesamten Berufsfeldes“ führt. Richtig ist, dass das BAMF zwischenzeitlich seine eigenen Qualitätskriterien auf fragwürdige Weise absenkte. Die Aussage des Journalisten, dass seit 2015 auch „gering qualifizierte Personen ohne Hochschulabschluss“ unterrichten, spiegelt aber nicht meine Erfahrung wieder, denn so gut wie jede Kollegin/Kollege verfügt über ein Universitätsstudium. Während der Journalist über „Lehrer“ redet, sind in meinem Berufsalltag die Mehrheit Lehrerinnen.

Zum Thema der Abwesenheiten der Teilnehmenden wird die Meinung von Christoph Schroeder (Uni-Potsdam) zitiert, dass  „die Hälfte der angemeldeten Teilnehmer zum Sprachtest gar nicht erst erscheint“. So werden Anwesenheit im Kurs und Prüfungsanmeldung durcheinander gebracht, was keine Klarheit über ein eigentlich ernst zu nehmendes Problem schafft. Kritisch zu bemerken ist auch, dass in diesem Artikel die neue BAMF-Bestimmung über die verschärfte Kontrolle der Anwesenheit keine Erwähnung findet. Die Aussage, dass die Lehrmaterialien „ausschließlich die Welt der Flüchtlingsverwaltung“ vermittelt und die Integration nicht begünstigt, ist unbegründet.

Auch wenn es leider immer noch stimmt, dass viele Honorarlehrkräfte 16 bis 23 Euro pro Unterrichtseinheit erhalten, vergisst der Journalist zu erwähnen, dass die Vergütung in den BAMF-Integrationskursen seit Juli 2016 35 Euro beträgt. Zwar wird betont, dass die Sprachlehrkräfte auf Honorar (d.h. pro Unterrichtseinheit) und schlecht vergütet werden, aber im Hintergrund schwingt immer die Vorstellung, dass die Lehrkräfte überfordert und „kaum willens sind, Struktur und Qualität des Unterrichts aus eigenem Antrieb zu verbessern“. Wer im DaF-Bereich arbeitet, kann dem leicht widersprechen: Das Interesse an Weiterqualifikationskursen ist ungebrochen und viele Dozent*innen setzen sich in ihren Einrichtungen und beim BAMF für die Verbesserung der Kursinhalte und der Kursbedingungen ein.

Im Artikel „Was passiert im Alphabetisierungskurs?“ schildert eine Lehrkraft sogar, wie Mitarbeiter*innen des BAMF auf ihren Wunsch nach einer Weiterqualifizierung verständnislos reagierten.

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