Herbstakademie der GEW: „Gute Arbeit in der Weiterbildung“

Die Herbstakademie ist ein internes sowie externes Diskussionstreffen des Bereichs Weiterbildung der GEW, der in der Regel alle 2 Jahre stattfindet. Dieses Jahr wurde die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit den Universitäten Gießen, Frankfurt am Main und Duisburg-Essen organisiert und fand am 4.-5. Oktober 2018 in Geißen statt. Dabei war ein zentrales Ziel, die Forschungsergebnisse über die Beschäftigten in der Weiterbildung1 darzustellen.

Die drei Hauptvorträge beschäftigten sich jeweils mit der Selbstorganisation der Erwachsenenbilder*innen, mit ihrer Professionalisierung und mit der Personalstruktur in der Weiterbildung. Es gab zwei Blöcke mit insgesamt sieben Foren und im Anschluss eine Podiumsdiskussion.

Eine wiederholt diskutierte Frage war die Professionalisierung: Generell ist damit ein Prozess der Verbesserung der Vergütung und des Prestiges gemeint. Dabei kann man diverse Aspekte erkennen: Institutionalisierung, Verrechtlichung, Verwissenschaftlichung bzw. Akademisierung sowie Verberuflichung. Es wurde auch bemerkt, dass unter den Lehrkräften in der Weiterbildung sich Tendenzen zur Professionalisierung und zur Deprofessionalisierung gleichzeitig feststellen lassen.

Prof. Dieter Nittel brachte es in seinem Vortrag zum Punkt: Zwar existiere für die Weiterbildung „kein gesellschaftlich akzeptiertes Berufsbild, klare Rekrutierungsstrukturen, Karrieremuster und nur die Umrisse eines gemeinsam geteilten (beruflichen) Mandats und einer (beruflichen) Lizenz“. Trotzdem werde ein Prozess der „Professionsentwicklung“ angestrebt. Dafür müsse eine pädagogische Ausbildung eine Voraussetzung werden, um im Bereich der Weiterbildung zu arbeiten. Hingegen arbeiten heute in diesem Bereich viele, die einen akademischen Abschluss, aber keine pädagogische Ausbildung haben.

Es wurde mehrmals auf die vier Beschäftigungstypen aus dem wbmonitor 2014 Bezug genommen:

Typ 1: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die aus der Weiterbildungstätigkeit ihren Haupterwerb erzielen,

Typ 2: Selbständige bzw. Freiberufler, die aus der Weiterbildungstätigkeit ihren Haupterwerb erzielen,

Typ 3: Personen, die in der Weiterbildung tätig sind, ihren Haupterwerb aber aus einer anderen beruflichen Tätigkeit erwirtschaften

Typ 4: Personen, die zwar in der Weiterbildung tätig sind, ihr Haupteinkommen aber aus andern Quellen beziehen (z.B. Einkommen des Lebenspartners, Transferleistungen, Renten, Kapitalerträgen, etc.).

Zudem lässt sich eine Segmenteinteilung nach Arbeitsschwerpunkt und Finanzierung:

1) öffentlich finanzierte allgemeine Weiterbildung

2) öffentlich finanzierte berufliche Weiterbildung

3) privat bzw. betrieblich finanzierte betriebliche Weiterbildung

Nicht alle Beschäftigten in der Weiterbildung sind als prekär Beschäftigte anzusehen; auch im Typ 2 (hauptberufliche Weiterbilder*innen ohne Anstellung) sind zwar viele prekär beschäftigt, aber auch in dieser Gruppe verdienen einige gut, wie das Bild zeigt.

Arne Elias aus der Uni Duisburg-Essen hat in seinem Vortrag die spezielle Situation der Daz-Daf-Lehrkräfte fokussiert. Gerade in diesem Arbeitsfeld sind am deutlichsten prekäre Tendenzen festzustellen: Die hauptberuflichen Honorarkräfte sind deutlich überrepräsentiert und stellen 71,2 % des Personals dar. Nach seiner Auffassung sind die Stellenangebote nebenberuflich konzipiert, aber sie werden hauptberuflich ausgeführt, was die Prekarität zur Folge hat.

Trotzdem glaubt er, dass die Tätigkeit in den Integrationskursen den Beginn einer Professionalisierung darstellen könnte. Dabei sind aber zwei gegenseitige Tendenzen festzustellen: Zum einen würde die Professionalisierung eine Voraussetzung für eine Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen darstellen; dies könnte durch einen schützenden Eingriff des Staates verstärkt werden. Zum anderen anderen wurde die Qualifikationsanforderung der Beschäftigten in den letzten 2 Jahren aufgeweicht.

Von den insgesamt sieben Foren, die am Donnerstag und am Freitag stattfanden, hat mir Forum 4 mit dem Titel „Weiterbildungsakademie (wba) in Österreich und Greta-Projekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE)“ besonders gefallen. Das österreichische Projekt wurde von Prof. Peter Schlögl, aus der Alpen-Adria Universität in Klagenfurt, vorgestellt. Die wba wurde 2007 gegründet und wird vom Bildungsministerium und vom Europäischen Sozialfond (ESF) gefördert. Sie ist keine Weiterbildungseinrichtung, sondern ein Verfahren zur Feststellung und Anerkennung der Kompetenzen der in der Weiterbildung tätigen Lehrkräfte. Das Anerkennungsverfahren läuft weitgehend schriftlich: Die Lehrkräfte belegen, über welche formelle (z.B. Hochschulabschlüsse), informelle und nicht-formelle (z.B. Praxisnachweise, Veröffentlichungen, Konferenzen, papers, Supervisionen, etc.) sie verfügen. Die wba bewertet die Kompetenzen und Erfahrungen vor dem Hintergrund von standardisierten Qualifikationsprofilen und empfiehlt die Qualifizierungsangebote, die jeder Lehrkraft braucht, um das eigene didaktische und pädagogische Können zu vervollständigen. Wenn dieses Ziel erreicht ist, bekommt die Lehrkraft ein wba-Zertifikat oder ein wba-Diplom. Dieses Verfahren genießt eine hohe Anerkennung in Österreich.

In Deutschland gibt es ein ähnlich konzipiertes Modell: GRETA. Dieses Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) läuft seit 2014 und entwickelt gerade die Grundlagen für ein trägerübergreifendes Anerkennungsverfahrens. Nach der zweiten Phase, bis 2021, wird dann über seine Implementierung entschieden.

1 Die Begriffe „Weiterbildung“ und „Erwachsenenbildung“ wurden bei der Herbstakademie als Synonyme benutzt, wie üblich in Deutschland.

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2 Antworten zu “Herbstakademie der GEW: „Gute Arbeit in der Weiterbildung“

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