Hohe Durchfallquote am Ende der Integrationskurse

Der Tagesspiegel berichtet in seinem Beitrag „45 Prozent der Zuwanderer schaffen den Deutschtest nicht“ über die niedrigen Erfolgsquoten beim DTZ (Deutsch-Test für Zuwanderer A2·B1). Über dieses Thema wurde oft in den Medien berichtet. Das Daf-Daz-Bündnis hat sich  schon geäußert und einige Zeitungen angeschrieben. In seinem Offenen Brief an Die Welt steht folgendes zu den Gründen für den häufigen Misserfolg: „Auch wir, die Lehrkräfte, sind mit den Prüfungsergebnissen nicht zufrieden. Wir warnen aber vor falschen Rückschlüssen. Wenn man bedenkt, dass nur 63 % der Deutschen auf B1-Niveau Englisch sprechen und verstehen können und daneben 30 % überhaupt keine Fremdsprache beherrschen, und dies trotz eines Lebens in Wohlstand, Frieden und Sicherheit sowie langjährigen Unterrichts in der Schule, dann sind Testergebnisse von fast 50% mit B1 (und weitere 40 % mit A2) in den Integrationskursen nach unserer Auffassung nicht wirklich katastrophal. Nicht nur Ihre Berichterstattung lässt außerdem unerwähnt, dass sich der Anteil der neuen Kursteilnehmenden, die einen Alphabetisierungskurs beginnen, im Vergleich zu 2014 mehr als verdreifacht hat. Das bleibt natürlich auch für die Prüfungsergebnisse nicht ohne Folgen. Das Lernziel im Integrationskurs für primäre Analphabeten ist übrigens A2. Allein deswegen kann man nicht einfach behaupten, dass jeder Zweite scheitere.“

Das Daf-Daz-Bündnis nannte noch andere Gründe für das häufige Scheitern der TN beim DTZ:

„1. Das BAMF bzw. die Politik setzt auf Quantität statt auf Qualität, denn: – Nach 2015 wurden viele Träger zugelassen, die unzureichende bis gar keine Erfahrung in der Erwachsenenbildung haben.

– Das neue und zurzeit erprobte zentrale Zusteuerungssystem benachteiligt die erfahrenen und auf Qualität Wert legenden Träger und bevorzugt diejenigen, denen Profit vor Unterrichtsqualität geht.

– Das BAMF hat 2015 die eigenen Qualitätsstandards für die Zulassung von Lehrkräften drastisch gesenkt, um mehr Lehrer*innen für den gesteigerten Kursbedarf zu gewinnen. Im Zuge dessen wurden allein in den Jahren 2016-17 über 18.000 Lehrkräfte zugelassen.

– Die maximale Teilnehmerzahl in Integrationskursen wurde vom BAMF von 20 auf 25 Lernende erhöht, was sich negativ auf die Unterrichtsqualität auswirkt.

2. Die Politik begreift immer noch nicht, dass die Integration im Allgemeinen und die Sprachintegration im Besonderen eine Daueraufgabe ist – und dies schon seit Jahrzehnten – und somit Dauerstrukturen und damit einhergehende faire Arbeitsbedingungen bzw. Festanstellungen erfordert.

3. Die Einkommens- und Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte sind prekär, sodass es schwierig ist, viele gute Kursleiter*innen zu finden. In Vollzeit verdienen die Honorarlehrkräfte im Durchschnitt nur ca. 1500 € netto im Monat. Obwohl die Kurse von staatlicher Seite beauftragt werden, erhalten wir als oft unfreiwillig Selbstständige weder für Kranken- noch für Rentenversicherung von der beauftragenden staatlichen Seite Arbeitgeberanteile, das heißt, wir haben unsere Beiträge zumeist hundertprozentig selbst zu tragen. Altersarmut ist damit vorprogrammiert.“

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