Wer sind wir?

Die BKSL stellt ihre Arbeit ein

Im Sommer 2017 hat die bundesweite Interessenvertretung der Sprachlehrbeauftragten, die BKSL, ihre Arbeit nach nunmehr fünf Jahren einstellt. Sie hat viel bewegt und für die Lehrbeauftragten insgesamt viel erreicht. Aber sie scheint keine geeignete Struktur mehr zu sein, um für Sprachlehrbeauftragte weitere Verbesserungen zu erzielen. Es hat sich herausgestellt, dass die Sprachlehrbeauftragen eine zu kleine und heterogene Gruppe sind, um das politische Geschehen effektiv zu beeinflussen.

Wir empfehlen den Zusammenschluss mit anderen Gruppen, um mehr Wirkkraft entfalten zu können:

1. Auf der Ebene der einzelnen Hochschulen könnten sich die Sprachlehrbeauftragten mit anderen Lehrbeauftragten, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen (WiMis) und den wissenschaftlichen Hilfskräften zusammenschließen, um Hochschulgruppen der GEW oder auch autonome Gruppen zu gründen.

2. Auf kommunaler Ebene ist es sehr vielversprechend, die Zusammenarbeit mit anderen Honorarlehrkräften anzustreben. Ein Beispiel hierfür ist in Berlin, wo seit zwei Jahren eine Koordination von Honorarlehrkräften (Dozent*innen an den Volkshochschulen, am Goethe-Institut, an privaten Sprachschulen, Integrationsdozent*innen, Lehrbeauftragten und Musiklehrer*innen) aktiv ist. Sie hat am 5.10.2015 und 2016 Aktionen veranstaltet, um auf die schlechte Vergütung und fehlende Sozialabsicherung der Honorarlehrkräfte aufmerksam zu machen. Mit Briefen an die Ministerien für Arbeit und Soziales sowie für Gesundheit will die Koordination folgende Forderungen auf die politische Agenda setzen: 1) Zeitfenster für nachzahlungsfreien Eintritt in die Rentenversicherung und gesetzliche Krankenversicherung; 2) Beteiligung der Auftraggeber an Sozialversicherungsbeiträgen für solo-selbständige Honorarlehrkräfte; 3) Abschaffung oder Senkung der Mindestbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung.

3. Verbündete finden die Sprachlehrbeauftragten bei den Gewerkschaften, immer noch nicht überall und sofort, aber die Situation hat sich in den letzten fünf Jahren sehr verbessert. In der GEW, vor allem im Bereich Hochschule und Forschung, sind Lehrbeauftragte inzwischen sehr willkommen. Auf dem höchsten beschlussfassenden Gremium der GEW, dem Gewerkschaftstag, gab es im Mai 2017 eigens einen Beschluss zu den Lehrbeauftragten. Auch bei ver.di findet ihr Ansprechpartner*innen. Es gibt zudem ein Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft (NgAWiss), das WiMis-Gruppen an vielen Unis sammelt.

Dieser Blog bleibt weiterhin bestehen, als Bezugsort und als Archiv. Er wird zunächst hauptsächlich über die Tätigkeiten der Berliner Honorarlehrkräfte sowie Lehrbeauftragten informieren.

Linda Guzzetti und Sandra Astáras (Sprecherinnen der BKSL)

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Mit vereinter Kraft für eine Veränderung der Hochschulpolitik

tuttiAm 27. Oktober 2012 haben sich 37 DozentInnen auf einem ersten bundesweiten Treffen in Berlin im Haus der DGB versammelt, um endlich eine Veränderung der Situation der Lehrbeauftragten, die an deutschen Hochschulen Fremdsprachen unterrichten, herbeizuführen. Sie haben als ersten Schritt dazu die Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten an deutschen Hochschulen (BKSL) ins Leben gerufen. Gewerkschaftsvertreter des DGB, von ver.di und GEW waren ebenfalls auf dem Treffen. Daneben ist auch eine Gruppe engagierter Berliner Studierender gekommen, um ihre Solidarität zu zeigen. Schließlich haben wir ein gemeinsames Interesse, da die Beendigung der prekären Arbeitsverhältnisse der Lehrbeauftragten auch eine Verbesserung bei der Kontinuität und Qualität der Lehre bedeuten würde.

Initiiert haben dieses Treffen drei Lehrbeauftragte der FU Berlin, die im März 2012 einen Brief an alle Sprachlehrbeauftragten des Landes schickten und Mut machten, sich zu organisieren, denn zusammen ist man weniger allein. Die Kontaktaufnahme war schwierig genug, denn obwohl Lehrbeauftragte fest in das Lehrangebot der Hochschulen integriert sind, sind sie nicht aufallen Homepages der Hochschulen namentlich aufgeführt.

Die Hochschulen dieses Landes schmücken sich gern mit einem breit gefächerten Angebot an Sprachen, das für deutsche wie internationale Studierende bei der Wahl des Studienortes entscheidend sein kann. Zusätzlich nimmt im Zuge der Internationalisierung der Hochschulen die Bedeutung der Sprachen als wichtigstem Werkzeug beim Lehren und Lernen stetig zu. Ablesbar ist dies an Prüfungs- und Studienordnungen sowie am extra-curricularen Angebot an Lehrveranstaltungen der Sprachenzentren und vergleichbarer Einrichtungen. An kulturpolitischen Bekundungen, die Mehrsprachigkeit in Europa zu fördern und eine institutionsspezifische Sprachenpolitik für jede Hochschule festzulegen, mangelt es nicht. Dies steht allerdings im krassen Gegensatz zur finanziellen und personellen Unterversorgung der Sprachenzentren.

Das Lehrangebot wird von festangestelltem Personal und von Lehrbeauftragten abgedeckt. Der Teil, den die Lehrbeauftragten dabei übernehmen, liegt zwischen 40 und 90 Prozent. In der Lehre führen die Lehrbeauftragten die gleichen Aufgaben aus wie die hauptberuflichen KollegInnen. Aber Lehrbeauftragte werden als Lehrkräfte zweiter Klasse behandelt: Lehrbeauftragte bekommen nur einen Bruchteil von dem, was entsprechende hauptberufliche Lehrkräftebekommen und haben deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen.

Festangestellte werden tariflich vergütet, in der Regel nach TV-L E13, wobei aber auch immer noch ein Unterschied zwischen Ost und West sowie Universitäten und Fachhochschulen gemacht wird. Doch viel gravierender ist der finanzielle Unterschied zwischen Festangestellten und Lehrbeauftragten. Die Honorare von Lehrbeauftragten schwanken zwischen 17 und 30 Euro, liegen im Schnitt aber bei 25 Euro pro Lehrveranstaltungsstunde (LVS). In Dresden beispielsweise beträgt die Vergütung 17 Euro, in Dortmund 30, in Saarbrücken 21. Die Hochschulgesetze sowie die Lehrauftragsrichtlinien regeln für jedes Bundesland und jede Hochschule, wie viel pro Lehrveranstaltungsstunde gezahlt werden darf. Im Honorar inbegriffen sind Vor- und Nachbereitungen, die gesamte Kursadministration und alle Korrekturen, die im Semester anfallen. Die Erstellung, Abnahme und Korrektur von Prüfungen sowie die zeitintensive Betreuung von online-Lernplattformen werden an den meisten Einrichtungen nicht vergütet, sondern sind mit dem Stundenhonorar bereits abgegolten. Die Hochschulen sind darüber hinaus sehr bemüht, der Zahlung von Sozialleistungen für Lehrbeauftragte nicht nachkommen zu müssen. Um das Risiko von Klagen auf ein Angestelltenverhältnis zu verringern, ist das Lehrdeputat der Lehrbeauftragten an jeder Hochschule bzw. in jedem Bundesland auf die Hälfte des Deputats der Festangestellten begrenzt. Was man mit 8 Lehrveranstaltungsstunden pro Woche an Universitäten und 12 Lehrveranstaltungsstunden an Fachhochschulen als LehrbeauftragteR pro Semester verdienen kann, ist schnell ausgerechnet. Um von ihrer Arbeit leben zu können, müssen Lehrbeauftragte an verschiedenen Einrichtungen unterrichten. Da sie als FreiberuflerInnen gelten, müssen sie für Kranken- und Rentenversicherung nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberanteil bezahlen. Honorarfortzahlungen im Krankheitsfall gibt es nicht. Obgleich es als prestigeträchtig gilt, als LehrbeauftragteR an einer Hochschule zu arbeiten, kann von einem begehrenswerten Einkommen nicht die Rede sein.

Die meisten Lehrbeauftragten sind noch nicht einmal Mitglieder der Hochschulen und verfügen damit auch nicht über ein Mitbestimmungsrecht, weil sie in den Gremien nicht vertreten sind und nicht vertreten werden.

Die BSKL will auf Bundes- und Landesebene sowie auf lokaler Ebene für die Interessen der Lehrbeauftragten eintreten. Zusammenfassend kann man sagen, dass es um die Beendigung der gängigen Praxis geht, Lehraufträge für Daueraufgaben zu vergeben und zudem um die Verbesserung der Lehre in den Spracheinrichtungen, der Bezahlung sowie der Arbeitsbedingungen der Sprachlehrbeauftragten. Die eigentliche Funktion der Lehraufträge, externe Expertise an die Hochschule einzubringen, um das Lehrangebot zu vervollständigen, wird an nahezu jeder Hochschule unterlaufen. Denn die Lehrbeauftragten übernehmen Daueraufgaben, viele von ihnen schon seit Jahrzehnten. Auf zentraler Ebene fordert die BKSL, dass die Sprachenzentren und vergleichbare Einrichtungen über eine angemessene Personalausstattung verfügen und dass dort Stellen eingerichtet werden, wo Daueraufgaben übernommen werden. Die Lehrbeauftragten, die weiterhin eingesetzt werden, müssen in Anlehnung an die Stundensätze für TV-L E13 vergütet werden. Auf lokaler Ebene wird sich die BKSL dafür einsetzen, dass die Honorarhöhe und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Zudem soll erreicht werden, dass sich unter den Lehrbeauftragten sowie den hauptamtlichen KollegInnen das Bewusstsein verstärkt, dass das gegenwärtige Zweiklassensystem für alle von Nachteil ist. Bei den EntscheidungsträgerInnen in der Politik muss dringend bekannt gemacht werden, wer die Lehrbeauftragten sind und was sie machen. Die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, den politisch engagierten Gruppen und den Studierenden soll weitergeführt werden. Ein regelmäßiger Austausch mit dem Arbeitskreis der Sprachenzentren, Sprachlehrinstitute und Fremdspracheninstitute (AKS) wird gesucht.

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2 Antworten zu “Wer sind wir?

  1. Die übelsten Jobs im Bildungssystem
    Heute: Lehrbeauftragter an der Ruhr-Uni Bochum

    Auf dem Streifzug durch die übelsten Jobs im Bildungssystem beschäftigen wir uns heute mit den Lehrbeauftragten an deutschen Universitäten. Man glaubt es kaum, aber deren Situation ist zum Teil noch schlimmer als die Situation der Lehrkräfte in den Integrationskursen.

    Quelle: http://www.holzgibtgas.com/rif/arbeit.jpg

    Was sich an den Volkshochschulen Lehrkraft nennt, das ist bei den Universitäten der „Lehrbeauftragte“. Auch er ist durch und durch ein Unternehmertyp, wie man ihn z.B. in der Person des Herrn Steinbrück kennt. Im Fernsehen sieht man Berichte darüber, dass Lehrbeauftragte nicht mal Kinder in die Welt setzen, weil ihnen offensichtlich das Geldverdienen wichtiger ist als etwa die gutbürgerliche Familie, die in den Haushaltungen einer ordentlichen Professorenschaft noch das vorherrschende Sozialmodell darstellt. Nur die ordentliche Professorenschaft steht heute noch für die echte Alma Mater („nährende Mutter“), während die nachdrängende Generation der jungen Lehrbeauftragten doch überhaupt kein Verständnis mehr davon hat, was „nährende Mutter“ eigentlich heißen soll.

    Als problematisch und hochgradig prekär darf das Einkommen der deutschen ProfessorInnen zwar nicht gelten, aber viele von ihnen sagen: „Wehret den Anfängen!“ Der Tagesspiegel hantiert mit Zahlen, die irgendwo zwischen 4000 € und 7000 € pro Monat liegen. Das ist knapp. Wer seinen Kindern eine halbwegs vernünftige Schulausbildung bezahlen will, der muss mit 3000 € pro Monat rechnen. Da bleibt nicht viel zum Leben.
    Das Problem: „Der Personaletat der Unis ist nämlich gedeckelt. Zahlt eine Uni vielen Professoren Topgehälter, bekommen dementsprechend andere Kollegen deutlich weniger als der Schnitt.“

    Ein Lehrbeauftragter kostet den Steuerzahler nur 1000 € im Monat. „Für jede Stunde, die sie am HU-Sprachenzentrum unterrichtet, bekommt Guzzetti 23 Euro. Damit sollen auch die Vorbereitung oder die Korrektur von Prüfungen abgedeckt sein.“ ( Tagesspiegel ) 23 € sind zwar noch nicht ganz die unterste Schublade des Möglichen, aber es ist schon durchaus konkurrenzfähig. Die Süddeutsche berichtet für Bayern von Honoraren, die bei 21 € beginnen, wobei „diese Vorgaben nicht immer eingehalten werden“. Manchmal arbeiten die Lehrbeauftragten auch just for fun. „Es gibt eine ganze Reihe Wissenschaftler, die unentgeltlich arbeiten, nur um weiter einen Fuß in der akademischen Tür zu haben“, sagt der Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes. (Anmerkung: Mit dem Fuß in der Tür ist nicht gemeint, dass sie die Türen eintreten haben…)

    Hier muss man aber differenzieren: 1000 € brutto im Monat klingt wenig, aber viele Lehrbeauftragte haben noch andere Einnahmequellen. Nicht wenige gehen nämlich „hauptberuflich“ putzen oder fahren Pizza aus. Wer in seinem Hauptberuf Pizzafahrer ist, dem ist nach der Logik der Universitäten durchaus zuzumuten, dass er in seinem „Nebenberuf“ mit ein bisschen weniger auskommen muss als die ordentliche Professorenschaft. Die Ruhr-Uni Bochum hat es in den „Richtlinien für die Erteilung und Vergütung von Lehraufträgen an der Ruhr-Universität Bochum“ exakt so festgelegt: „Sie sind nebenberuflich tätig.“ Und wenn die Uni das schreibt, dann wird es wohl auch so sein.

    Eine Studentische Zeitung schreibt: „An der Hochschule gelten sie als nebenberufliches Personal und selbstständig, was sie von einer Mitgliedschaft an der Hochschule ausschließt. Konkret bedeutet das, dass sie im Krankheitsfall nicht bezahlt werden, kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld erhalten und am Arbeitsplatz nicht unfallversichert sind. In München sind Lehrbeauftragte bereits in eine Art Streik getreten, weil sie keine festen Angestellten sind haben sie an sich gar nicht das Recht auf Streik. Da aber ihr Stundenlohn nicht mal mehr fünf Euro betrug, nahmen sie ihren Lehrauftrag schlicht nicht mehr an.“

    Die Lehrbeauftragten machen grundsätzlich immer alles selbstständig, meint die Uni. Sie suchen sich ihren Arbeitsort und ihre Arbeitszeit selbstständig aus (im Sommer finden ihre Seminare meistens im Schwimmbad statt, im Winter in der Sauna), sie verhandeln in ihrer selbstbestimmten, autonomen und unternehmerischen Art ihr Honorar selbst. Sie reichen ihre Honorarabrechnungen genau dann ein, wenn sie selbst es wollen: „Die Lehrbeauftragten sind verpflichtet, die Abrechnung der Lehraufträge nach der letzten Veranstaltung entsprechend den tatsächlich geleisteten Einzelstunden, höchstens jedoch bis zum festgesetzten Stundenumfang, der Hochschule vorzulegen.“

    Kurz und gut, Lehrbeauftragte sind wirklich überhaupt nicht in die Organisation des Lehrbetriebs eingebunden, das muss man den Unis bitte, bitte glauben. Das Verhältnis zwischen der Uni und den Lehrbeauftragten gleicht dem Verhältnis zwischen einem Patienten und seinem Zahnarzt: einmal pro Jahr geht man hin und lässt etwas machen. Aber dafür lohnt es sich ja nicht, als Arbeitgeber in die Sozialkassen des Arbeitnehmers einzuzahlen, sondern sowas organisiert der selbstständige Auftragnehmer selbst, indem er vorher ein Honorar kalkuliert, von dem er leben kann. Wenn die Lehrbeauftragten zu wenig verdienen, dann haben sie halt schlecht kalkuliert.

    „Nach der letzten Veranstaltung“ heißt, dass die Lehrbeauftragten ihrer Uni bitte nicht jeden Monat mit ihren Rechnungen auf die Nerven gehen sollen. Die monatliche Auszahlung von Gehältern ist vom Landesamt für Besoldung und Versorgung nur für reguläre MitarbeiterInnen des Universitätsbetriebes vorgesehen. Das LBV hat schließlich noch andere Sachen zu tun, und es ist nicht Sache eines Bundeslandes, sich um die Privatinteressen von „Unternehmern“ zu kümmern, die zusätzlich zu ihrem Hauptberuf noch irgendwelche Privatveranstaltungen an den Unis abhalten wollen.

    Wenn diese Unternehmer nicht ihre angestrebte Profitmaximierung realisieren können, können sie dafür nicht die ganze Gesellschaft haftbar machen. Die Ruhr-Uni Bochum hat die Interessen der Gesellschaft gegen die der Lehrbeauftragten sehr ordentlich verteidigt: „Ausgefallene Stunden, auch wenn die Gründe dafür nicht vom Lehrbeauftragten zu vertreten sind, werden nicht vergütet.“ Wäre ja noch schöner, wenn so eine Uni die Risiken von wildfremden DozentInnen auffangen würde!

    Lehrbeauftragte wie Linda Guzzetti, die jedes Jahr bis zu 17.000 € aus Universitätsgeldern abgreift (wovon sie 20% an die Rentenkasse abführt und als großartig verdienende „Selbstständige“ noch einmal richtig gut von der Krankenkasse rangenommen wird), haben selbstverständlich das Recht, ihre Universität zu verklagen, wenn ihnen irgendwas nicht passt. Es ist ja nicht so, als ob hier der Rechtsstaat suspendiert wäre. Wenn aber das Vertrauensverhältnis zur Uni so gestört ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn man keine weiteren „Aufträge“ mehr bekommt. An der Ruhr-Uni Bochum haben einige Lehrbeauftragte des Seminars für Sprachlehrforschung vor ca. einem Jahr den Bogen überspannt und einer Reporterin ein Interview gegeben! Darin bezeichneten sie ihr Honorar als zu niedrig oder taten andere Äußerungen, in denen sie ihrer Dankbarkeit gegenüber der „nährenden Mutter“ nicht mit der notwendigen Hingabe Ausdruck verliehen haben. Undank ist eben der Welten Lohn. Natürlich wurden die Aufrührer sofort von der Uni entfernt. Da sie „selbstständig“ sind fallen sie direkt in das beliebte Hartz IV-System rein, falls sie da nicht vorher schon – aufstockend zu ihrem Mülljob an der Uni – „Kunden“ waren.

    Erstaunlicherweise gibt es sogar eine Interessensvertretung, die fordert: „Lehrbeauftragte, mitunter ein Berufsleben lang an ihren Hochschulen tätig, müssen endlich als gleichberechtigte Hochschulmitglieder Anerkennung finden.“ Hier ist Vorsicht geboten. Lässt man sich erst auf solche Forderungen ein, wollen sie bald noch mehr: „Mit der Ausbeutung von Billig-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr-und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden.“

    Teil 2 folgt nächsten Monat.

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